Aktuelles und Fragen
Wie lange dauert eine ISO-9001-Einführung?
Kleine und mittlere Unternehmen brauchen von der Entscheidung bis zum ISO-9001-Zertifikat meist einige Monate bis etwa ein Jahr. Hier erfahrt ihr, welche Phasen ein Projekt durchläuft, wovon die Dauer abhängt und wie ihr einen realistischen Zeitplan aufstellt.
Was die ISO 9001 und die Zertifizierung vorgeben
Die ISO 9001 selbst nennt keine Fristen. Sie verlangt ein Qualitätsmanagementsystem (QMS), also feste Regeln und Abläufe, mit denen ihr eure Qualität steuert. Dieses System muss eingeführt sein, angewendet werden und laufend besser werden (Kapitel 4.4). Den Zeitrahmen gibt das Zertifizierungsverfahren vor:
- Vor dem Zertifizierungsaudit müsst ihr mindestens einmal ein vollständiges internes Audit (Kapitel 9.2) durchführen. Ein Audit ist eine geplante Prüfung, ob ihr eure eigenen Regeln und die Norm einhaltet. Außerdem braucht es eine Managementbewertung (Kapitel 9.3). Darin schaut die Geschäftsführung, ob das System funktioniert. Beides geht nur, wenn es schon Ergebnisse gibt, die man prüfen und bewerten kann.
- Die Zertifizierungsstelle prüft in zwei Stufen. Stufe 1 prüft vor allem die Unterlagen und ob ihr bereit für das Audit seid. Stufe 2 prüft, wie ihr im Betrieb tatsächlich arbeitet. Dazwischen liegen je nach Ergebnis und Terminen einige Wochen.
- Viele Zertifizierungsstellen erwarten, dass ihr die Abläufe vor dem Audit eine Weile tatsächlich gelebt habt. Oft werden rund drei Monate genannt. Eine feste Vorgabe der Norm ist das nicht. Fragt bei eurer Stelle nach, was sie erwartet.
Die Phasen eines Einführungsprojekts
| Phase | Was passiert | Grobe Dauer |
|---|---|---|
| 1. Bestandsaufnahme | Gap-Analyse, also ein Abgleich: Was gibt es schon, was fehlt? Projektleitung und Budget festlegen. | 2–4 Wochen |
| 2. Aufbau | Umfeld des Unternehmens, Anwendungsbereich (wofür das System gilt), Qualitätspolitik und -ziele, Prozesse, Risiken und Chancen, nötige Dokumente und Nachweise | 1–4 Monate |
| 3. Umsetzung im Alltag | Prozesse anwenden, Nachweise erzeugen, Mitarbeitende schulen | ca. 2–3 Monate |
| 4. Interne Prüfung | Internes Audit, Korrekturen, Managementbewertung | 3–6 Wochen |
| 5. Zertifizierung | Audit der Stufe 1 und Stufe 2, ggf. Nachweise zu Abweichungen nachreichen, Zertifikat | 1–3 Monate |
Die Phasen überschneiden sich. Fragt die Zertifizierungsstelle früh an, denn Audittermine gibt es oft erst mit einigen Wochen Vorlauf. Wie ihr eine passende Stelle findet, steht im Artikel Zertifizierungsstelle auswählen.
Wovon die Dauer abhängt
Die folgenden Spannen sind grobe Richtwerte, keine Zusagen:
| Ausgangslage | Typische Projektdauer |
|---|---|
| Kleines Unternehmen mit klaren, eingespielten Abläufen | etwa 3–6 Monate |
| Mittelständler mit gewachsenen Strukturen und mehreren Abteilungen | etwa 6–12 Monate |
| Mehrere Standorte, komplexe Produkte oder eigene Entwicklung | 12 Monate und mehr |
Die Zahl der Mitarbeitenden ist dabei weniger wichtig als diese Punkte:
- Verfügbare Zeit: Wer das Projekt neben dem Tagesgeschäft „mitmacht“, braucht deutlich länger als jemand mit fest eingeplanten Stunden pro Woche.
- Rückhalt der Geschäftsführung: Die Norm verlangt, dass die oberste Leitung, also in der Regel die Geschäftsführung, Verantwortung übernimmt (Kapitel 5.1). Bleiben Entscheidungen zu Politik, Zielen oder Zuständigkeiten liegen, steht das Projekt still. Mehr dazu unter Rolle der Geschäftsführung.
- Wie geordnet die Abläufe schon sind: Gibt es schon Checklisten, Freigaben und einen Umgang mit Reklamationen? Dann müsst ihr vieles nur noch ordnen und nicht neu erfinden.
- Umfang der Dokumentation: Wer alles bis ins Detail aufschreiben will, verliert Monate. Was wirklich gefordert ist, zeigt der Artikel Pflichtdokumente der ISO 9001.
Beispiel: Zeitplan eines IT-Dienstleisters
Ein Systemhaus mit 18 Mitarbeitenden möchte sich zertifizieren lassen, weil ein öffentlicher Auftraggeber das Zertifikat verlangt. Die Geschäftsführerin benennt einen Projektverantwortlichen. Er hat dafür einen festen Tag pro Woche.
| Monat | Schritte |
|---|---|
| 1 | Gap-Analyse, Angebote von drei Zertifizierungsstellen, Auftrag erteilt, Audittermin für Monat 7 reserviert |
| 2–3 | Umfeld und interessierte Parteien (alle, die Erwartungen an das Unternehmen haben), Anwendungsbereich, Qualitätspolitik, Qualitätsziele, Prozesse für Vertrieb, Projektgeschäft, Support und Einkauf |
| 3–5 | Prozesse im Alltag anwenden: Auswertung der Support-Tickets als Kennzahl, Lieferantenbewertung, Schulungsnachweise |
| 5 | Internes Audit durch eine externe Auditorin, drei Abweichungen, Maßnahmen gegen die Ursachen |
| 6 | Managementbewertung |
| 7 | Audit der Stufe 1, vier Wochen später Audit der Stufe 2 |
| 8 | Nachweise zu einer kleineren Abweichung (Nebenabweichung) eingereicht, Zertifikat erteilt |
Das sind rund acht Monate, obwohl das Unternehmen klein ist. Am meisten Zeit kostete nicht das Schreiben. Am längsten dauerte die Phase, in der die Abläufe angewendet und Nachweise gesammelt wurden.
Typische Fehler
- Audittermin zu knapp gesetzt: Wer das Audit der Stufe 2 drei Monate nach Projektstart ansetzt, hat kaum Nachweise aus dem Alltag und gerät unter Druck.
- Internes Audit als Formsache: Ein internes Audit kurz vor dem Zertifizierungsaudit bringt wenig, wenn keine Zeit für Korrekturen bleibt.
- Keine festen Zeitfenster: „Machen wir nebenbei“ führt fast immer zu Verzögerungen.
- Alles neu erfinden: Gut funktionierende Abläufe werden durch neue Formulare ersetzt, statt sie einfach zu beschreiben.
- Zertifizierungsstelle zu spät angefragt: Wunschtermine sind dann oft schon vergeben.
Häufige Fragen
Geht es auch in drei Monaten? In Einzelfällen ja, wenn die Abläufe schon gut geordnet sind und jemand viel Zeit hat. Die Phase, in der ihr das System anwendet und Nachweise sammelt, lässt sich aber kaum verkürzen.
Wie viel Zeit muss die Geschäftsführung einplanen? Das hängt vom Unternehmen ab. Sie muss mindestens Politik und Ziele festlegen, über Zuständigkeiten entscheiden, die Managementbewertung durchführen und im Audit Fragen beantworten. Die Verantwortung dafür kann sie nicht an andere abgeben.
Wie lange gilt das Zertifikat? Drei Jahre. In dieser Zeit gibt es jedes Jahr ein Überwachungsaudit, also eine kürzere Prüfung. Danach folgt ein Rezertifizierungsaudit, mit dem das Zertifikat verlängert wird. Was nach dem Zertifikat ansteht, beschreibt der Artikel Nach dem Zertifikat.
Was passiert, wenn das Audit Abweichungen findet? Bei kleineren Abweichungen (Nebenabweichungen) reicht meist ein Maßnahmenplan oder ein Nachweis. Bei schweren Abweichungen (Hauptabweichungen) müsst ihr belegen, dass ihr sie behoben habt, bevor das Zertifikat erteilt wird. Das kann das Projekt um einige Wochen verlängern.
So geht ihr das in Isolde an
Am meisten Zeit kostet beim Aufbau meist das Schreiben: Handbuch, Prozessbeschreibungen, Politik und Ziele. Diesen Teil übernimmt Isolde. Ihr beantwortet Kapitel für Kapitel Fragen zu eurem Unternehmen, Isolde erklärt, was die Norm an der Stelle verlangt, und erstellt daraus die Dokumente. Ihr prüft und passt an, statt bei null anzufangen. Die Umsetzung im Alltag, das interne Audit und die Managementbewertung begleitet Isolde ebenfalls.
